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Nachruf für Frau Dr. Marita Pabst-Weinschenk

In stillem Gedenken trauern wir um die Düsseldorfer Germanistin und Kollegin Dr. Marita Pabst-Weinschenk, die uns in der letzten Woche im Alter von 70 Jahren verlassen hat. Dr. Marita Pabst-Weinschenk war nicht nur eine herausragende Sprechwissenschaftlerin und engagierte Pädagogin, sondern immer auch eine geschätzte Stimme an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, wo sie in der Germanistik seit 1999 gelehrt hat. 

Mit ihrem Tod verliert die akademische Gemeinschaft eine Persönlichkeit, die die deutsche Hochschullandschaft über Jahrzehnte hinweg geprägt hat. Wie kaum eine andere verkörperte sie die Verbindung von theoretischer Fundierung und lebendiger Praxis der Mündlichkeit. Ihr wissenschaftlicher Weg, der sie nach der Promotion an der Mercator Universität in Duisburg an die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf führte, war stets geleitet von der Überzeugung, dass Kommunikation die Grundlage menschlichen Miteinanders und demokratischer Teilhabe ist. Ihr wissenschaftliches Schaffen zeichnete sich dabei durch eine Breite aus, die bereits in ihrer Dissertation über Erich Drach angelegt ist, mit der sie die Grundlagen ihrer Disziplin historisch reflektierte.

Als langjährige Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Sprechwissenschaft und Sprecherziehung (DGSS) setzte sie sich unermüdlich für die Professionalisierung des Fachs ein. Ihre Forschungsschwerpunkte – von der Kooperativen Rhetorik über die Mediendidaktik bis hin zur Stimmbildung in der Schule – fanden in zahlreichen Publikationen wie „Reden im Studium“ oder „Die Sprechwerkstatt“ ihren Niederschlag und bleiben als Referenzpunkte der germanistischen Sprachdidaktik bestehen. 

Ihre ehemalige Mitarbeiterin Hanna Hauch erinnert sich, wie Marita Pabst-Weinschenk 2002 die Prüfstelle der DGSS eröffnet und damit die Zusatzqualifikation zum bzw. zur Sprecherzieher:in (DGSS) ermöglicht: „Das waren bunte Jahre in einer tollen Gruppe. Das Studium bei Marita Pabst-Weinschenk war immer geprägt durch ein hohes Maß an Mitbestimmung und Eigenverantwortlichkeit. Jede/r von uns war gefordert, sich inhaltlich und persönlich einzubringen und wurde mit den individuellen Stärken und Schwächen integriert. Das Ergebnis waren zahlreiche tolle Projekte in den Bereichen rhetorischer und ästhetischer Kommunikation. Dazu gehörten unter anderem eine Nacht voller szenischer Lesungen in der Universitäts- und Landesbibliothek zu Umberto Ecos „Der Name der Rose“, zahlreiche Sprechcollagen (z.B. zu E. T. A. Hoffmanns „Der Sandmann“) und Aktionstage im Bereich Stimmbildung. Dabei hat Marita Pabst-Weinschenk uns immer wieder auch mitgenommen in die Welt außerhalb der Uni, wo wir von ihren Kontakten in die freie Wirtschaft profitieren konnten. Ihre Studierenden werden sie immer in lebendiger guter Erinnerung behalten.“

Auch im Rahmen ihrer universitären Lehrveranstaltungen war Dr. Marita Pabst-Weinschenk eine Pionierin der Handlungsorientierung. Ihr Leitspruch „Learning by doing“ war kein bloßes Schlagwort, sondern gelebte pädagogische Realität. In ihren Seminaren zur Rede-Rhetorik, Gesprächsführung und zum Textsprechen forderte und förderte sie die Studierenden darin, ihre eigene Stimme zu finden und sich zu „außergewöhnlichen Persönlichkeiten“ zu entwickeln. Dabei nutzte sie schon früh digitale Formate und entwickelte innovative E-Learning-Konzepte, um die Brücke zwischen klassischer Mündlichkeit und neuen Medien zu schlagen – und hinterließ dabei nicht selten nachhaltige Spuren bei den Studierenden, so etwa bei einer ihrer letzten Masterabsolvent:innen Frau Laura Melina Dittrich:

„Marita Pabst-Weinschenk war für mich über viele Jahre hinweg eine wichtige Bezugsperson im Studium, fast so etwas wie eine Mentorin. Marita verband ihre große fachliche Kompetenz in der Sprechwissenschaft mit einer ruhigen, besonnenen Art, die sofort Vertrauen schuf. In gleich mehreren Veranstaltungen, die ich bei ihr besuchen durfte, wurde diese Haltung spürbar. Oft griff sie die Giraffensprache nach Rosenberg auf und machte anschaulich, wie wichtig es ihr war, den Wolf in der Kommunikation zu entlarven und bewusst herauszunehmen, um eine wertschätzende und zugewandte Haltung im Miteinander zu fördern. Ob man gemeinsam mit ihr spontan eine Radiosendung im Hochschulradio im Rahmen ihres Formats ‚softskills‘ entwickelte, mit Studierenden eine Tagung vorbereitete, bei der jede und jeder nach eigener Stärke eingebunden wurde, oder in der Betreuung wissenschaftlicher Arbeiten eigene kreative Wege gehen durfte, stets nahm sie Studierende ernst, ließ echte Gespräche zu und förderte individuelle Potenziale. Diese Haltung hat mein Studium stark geprägt und wirkt bis heute nach.“

Unserem Institut bleibt Marita Pabst-Weinschenk als eine Persönlichkeit in Erinnerung, die mit Leidenschaft und Wärme agierte und deren Wirken stets darauf ausgerichtet war, Menschen zu befähigen, einander zuzuhören und verständigungsorientiert zu handeln. 

Univ.-Prof. Dr. Alexander Ziem

Univ.-Prof. Dr. Simon Kasper im Namen der Geschäftsführung des Instituts für Germanistik