Denken in Figuren
Der Carl-Wambach-Preis für die sprachlich beste unter den inhaltlich herausragenden Abschlussarbeiten des Faches Germanistik geht im Wintersemester 2025/26 an Julian Miedl. Prämiert wird seine Masterarbeit mit dem Titel „Denken in Figuren – Literatur als Reflexionsmedium in Siegfried Kracauers Ginster“ aus dem Bereich der Neueren Deutschen Literaturwissenschaft. Die Arbeit widmet sich mit dem Roman Ginster dem literarischen Werk des Soziologen, Philosophen und Filmtheoretikers Siegfried Kracauer (1889–1966) und versucht zu ergründen, wie Kracauer in der von Krisen geprägten Zwischenkriegszeit der Weimarer Republik Literatur als Reflexionsmedium und Form der Welterschließung gegen philosophische Begriffssysteme in Stellung brachte. Miedl verbindet ideengeschichtliche, philosophische und literaturwissenschaftliche Zugänge, um Kracauer im Kontext der frühen Frankfurter Schule zu verorten und den Stellenwert von Erfahrung, Erkenntnis und Ästhetik für diesen Denkzusammenhang herauszuarbeiten. Die Gutachten loben die Arbeit als herausragende Leistung, die einen eigenständigen Beitrag zur Kracauer-Forschung darstellt und durch einen souveränen Umgang mit kultur- und sozialphilosophischer Theoriebildung hervorsticht.
Der Carl-Wambach-Preis wird von der Heinrich Heine-Carl Wambach Stiftung verliehen, die 2014 von Heinrich van de Sandt zur Förderung der Wissenschaft und Forschung auf dem Gebiet der Germanistik an der HHU ins Leben gerufen wurde. Benannt sind der Preis und die Stiftung nach einem Vorfahren der Familie van de Sandt, dem Düsseldorfer Geschäftsmann Carl Wambach.