Fanny Churberg (1845 - 1892)

Fanny Churberg: Kuivunut kuusie. 1879
© Pohjanmaan museo, Vaasa

Fanny Churberg. Rapakivikallioita Etelä-Savossa, 1871
© Valtion taidemuseo, Helsinki


Fanny Maria Churberg, geboren am 12. Dezember 1845 in Vaasa, war eine talentierte finnische Landschafts- und Stilllebenmalerin, die von den vielfältigen Naturlandschaften ihrer Heimat bei der Wahl ihrer Motive maßgeblich beeinflusst wurde. Dennoch brachte sie es erst Jahre nach ihrem Tod in Finnland zu großer Bekanntheit.

Als Tochter eines Arztes verfügte Fanny Churberg über die erforderlichen finanziellen Mittel, um sich im Anschluss an ihre Zeit in einem Mädchenpensionat eine solide Grundausbildung der Malerei zuteilwerden zu lassen. (1) Als Vollwaise begann sie im Alter von 20 Jahren ihre künstlerische Ausbildung zunächst in Helsinki, wo ihr von Privatlehrern erste methodische Grundlagen vermittelt wurden: Hier lernte sie 1865 und 1866 bei Emma Gyldén und Alexandra Frosterus-Såltin sowie in den Jahren 1866 und 1867 bei Berndt Lindholm. (2) Insbesondere von Lindholm, der selbst an der renommierten Düsseldorfer Kunstakademie studiert hatte und als einer der erfolgreichsten finnischen Landschaftsmaler galt, wurde sie nachhaltig geprägt. (3)

1867 ging Fanny Churberg erstmals für ein Jahr nach Düsseldorf, weil sie sich dort mithilfe von Privatunterricht bei dem Landschaftsmaler Carl Ludwig künstlerisch weiterentwickeln wollte. (4) Nach einer vorübergehenden Rückkehr nach Finnland verbrachte Fanny Churberg die Jahre von 1871 bis 1874 erneut in der Stadt am Rhein, nutzte jedoch die Sommerferien, um sich in ihrer Heimat Inspirationen für weitere Motive zu holen (5). In dieser Zeit entstand eines ihrer bekanntesten Werke, „Rodung. Landschaft von Nyland“ (1872). Allerdings adaptierte sie hierbei keinesfalls den „akademischen Stil“ der Düsseldorfer Malerschule, (6)  sondern integrierte dynamisch-ausdrucksstarke Elemente in ihr Gemälde, dem sie so eine ganz individuelle Atmosphäre verlieh.

Zurück in Finnland versuchte Fanny Churberg vergeblich, sich als Landschaftsmalerin zu etablieren, doch wurden ihre Bilder aufgrund ihres für die damalige Zeit völlig ungewöhnlich-expressiven Stiles nicht besonders positiv aufgenommen. (7) Daher war ihre Rückkehr nach Finnland vorerst nur von kurzer Dauer; bereits im Herbst 1875 brach sie auf Richtung Frankreich, wo sie in Paris bei Wilhelm von Gegerfelt Unterricht nahm und sich durch ihn zum Malen von Winterlandschaften inspirieren ließ (8). Nach einigen Reisen kam es vorübergehend zu einer Schaffenskrise, in deren Anschluss sie sich zunächst ausschließlich auf Stillleben konzentrierte, bis sie schließlich parallel ihre Landschaftsmalerei wieder aufnahm.

Fanny Churbergs Malerei, deren Motive überwiegend aus den ländlichen Gebieten Finnlands stammten, galt zur damaligen Zeit als progressiv und völlig innovativ. Im Gegensatz zu vielen anderen Künstlerinnen und Künstlern orientierte sie sich bei ihrer Darstellung der Bäume, Seen, Wälder und Weidenlandschaften nicht am Naturalismus – ihre Landschaftsmalerei zeugte zu keiner Zeit von dem sonst üblichen naturalistisch-realistischen Abbildcharakter. (9) Vielmehr ließ sie sich von kräftigen Farben und starken Emotionen beeinflussen, arbeitete mit kontrastierenden Farbnuancen und einer auffallend dynamischen Pinselführung, und sah – analog zu den Romantikern – in ihrer künstlerischen Darstellung der Natur die Möglichkeit, ihre eigenen Stimmungen auf ihre Gemälde zu übertragen. (10) Mit ihrem unverwechselbaren Stil setzte Fanny Churberg expressionistische Akzente, lange bevor der Expressionismus als solcher seine Ausdrucksform in der Kunst fand, weshalb man ihrer Malerei erst im 20. Jahrhundert die verdiente Anerkennung zollte. Zu Lebzeiten wurden ihre Werke nicht verstanden und vielmehr skeptisch betrachtet, da sie von der breiten Masse als unnatürlich und zu dramatisch empfunden wurden. (11)

1879 erhielt Fanny Churberg im Rahmen einer Ausstellung in Helsinki den ersten Preis des Finnischen Kunstvereins, wandte sich jedoch im Folgejahr endgültig von der Malerei ab, vermutlich weil ihre Bilder sonst keinerlei Würdigung erfuhren. (12) Stattdessen engagierte sie sich nun für das finnische Kunsthandwerk, indem sie 1879/1880 den „Verein der Handarbeitsfreunde“ mitgründete.

Am 10. Mai 1892 verstarb Fanny Churberg noch vor der Vollendung ihres 47. Lebensjahres in Helsinki. Solange sie lebte, blieb sie als Künstlerin weitestgehend unbekannt, erst Jahrzehnte nach ihrem Tod – im Zuge einer 1919 von Gösta Stenman organisierten Retrospektive-Ausstellung – (13) wurden ihre Werke angemessen gewürdigt und ihre Art der Naturdarstellung in Finnland zum Vorbild für ambitionierte junge Nachwuchskünstler bis weit in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein. Seitdem ist Fanny Churberg als feste Größe in der finnischen Kunstgeschichte verankert, ihr künstlerisches Gesamtwerk umfasst ca. 300 Gemälde. Der geschätzte Wert ihrer einzelnen Bilder bewegt sich heute bei Auktionen nicht selten bei 30.000 Euro. (14)

© Bianca Hillebrandt, Frauen-Kultur-Archiv

  1. Vgl. Sello, Gottfried: Malerinnen aus vier Jahrhunderten. Hamburg: 1994, S. 157.
  2. Vgl. Saur: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker. Bd. 19. München, Leipzig: 1998, S. 102.
  3. Vgl. ebd.
  4. Vgl. Paffrath, Hans (Hrsg.): Lexikon der Düsseldorfer Malerschule. 1819-1918. Bd. 1. München 1997, S. 234.
  5. Vgl. Holger, Lena: “Fanny Churberg”. In: Dictionary of Women Artists. Vol. 1: Introductory Surveys Artists, A-I. London, Chicago: 1997, S. 393.
  6. Sello, Gottfried: Malerinnen aus vier Jahrhunderten. Hamburg: 1994, S. 157.
  7. Vgl. Saur, a .a. O., S. 102.
  8. Vgl. ebd., S. 102 f.
  9. Vgl. ebd., S. 102.
  10. Vgl. ebd.
  11. Vgl. Holger, Lena, a. a. O., S. 393.
  12. Vgl. ebd.
  13. Vgl. ebd.
  14. Am 14.10.2010 schätzte das Auktionshaus Bukowskis Fanny Churbergs Gemälde „Im Wald“ (1878) auf 25.000 Euro. Das Gemälde „Ausblick am Abend“ (1877) wurde mit 41.510 $ (= ca. 31.000 €) bewertet, wie den Internetseiten von „MutualArt“ zu entnehmen ist.

Werkauswahl

Düsseldorfer Zeit 1871-1874:

  • Granitfelsenlandschaft, 1871, Kunstmuseum Ateneum, Helsinki
  • Rodung. Landschaft von Nyland, 1872, Kunstmuseum Ateneum, Helsinki
  • Schwende in Uusimaa, Skizze, 1872
  • Waldstudie, 1872, Kunstmuseum Ateneum, Helsinki
  • Kevätmaisema Reinin Varrelta (Frühlingslandschaft entlang des Rheins), 1874
  • Die alte Birke o. D.
  • Frühlingslandschaft, 1876
  • Stillleben mit Gemüse und Fischen, 1876, Kunstmuseum Ateneum, Helsinki 
  • Wasserfall, 1877, Kunstmuseum Turku
  • Ausblick am Abend, 1877
  • Felsenhügel, o. D.
  • Stillleben mit Pilzen, 1877, Österbottens Museum, Vaasa
  • Blick auf den Fluss, 1877
  • Im Wald, 1878
  • Winterweg auf dem Eis, um 1878, Kunstmuseum Ateneum, Helsinki
  • Winterlandschaft bei Sonnenuntergang, ca. 1878
  • Mondschein, Skizze, 1878
  • Abgestorbene Tanne, 1879, Pohjanmaa museo, Vaasa
  • Winterlandschaft, ca. 1880

 

 

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